Pendlerreport 2017

Liebe Igelfreunde,

die Auswertung der Berufspendler-Daten 2017 ergab, dass die Teilnehmer im Schnitt nur noch alle 3,7 km einen toten Igel fanden. Letztes Jahr waren es noch alle 3,3 km. Die meisten Igel wurden während der Igel-Paarungszeit von Mitte Mai bis Mitte Juli überfahren. In diesem Zeitraum kamen die Pendler im Schnitt alle 308 km an einem überfahrenen Igel vorbei.

Überfahrene Igel 2017

Die Berechnung der obigen Daten kurz erklärt:

Addiert man die Länge der 34 Pendlerstrecken, ergibt das eine Summe von 1586 km. Teilt man nun diese Streckensumme durch die Anzahl der überfahrenen Igel, ergibt das einen toten Igel pro 3,7 km.

Nimmt man nun die Summe der gefahrenen Kilometer aller Pendler, also die Gesamtkilometerleistung (371.996km), geteilt durch die Anzahl der überfahrenen Igel, kam 2017 jeder Pendler alle 871 gefahrene Kilometer an einem toten Igel vorbei.

Pendler

Berechnung Igel pro 100 km: Anzahl der überfahrenen Igel geteilt durch die Gesamtkilometerleistung pro Monat mal 100. Diese Berechnung ist wichtig, um Vergleiche zwischen den Jahren vornehmen zu können.

Wichtige Erkenntnis:

Wie Sie auf der Beispielstrecke unten erkennen können, liegen die meisten Igelfunde außerorts, jedoch in unmittelbarer Nähe zu einer Ortschaft. Diese Beobachtung stimmt auch mit der wissenschaftlichen Arbeit von Esser & Reichholf 1980 überein. In ihrer Arbeit untersuchten die beiden Forscher, wie viele Igel pro km pro Jahr in Abhängigkeit von der Art des Biotops überfahren werden. Dabei zeigte sich, dass auf nur 8,8% der Gesamtstrecke 86% der Igel überfahren wurden. Das ist eine wichtige Erkenntnis, die es ermöglicht, an bestimmten problematischen Straßenabschnitten Maßnahmen zur Reduzierung der Igelopfer vorzuschlagen.

Beispiel Pendlerstrecke

Ergebnis der Reichholf-Pendlerdaten:

Die nachstehende Grafik stammt aus der Veröffentlichung von Reichholf: „Starker Rückgang der Häufigkeit überfahrener Igel in Südostbayern von 1976-2015“.

„Die Straßenverkehrsverluste gelten insbesondere beim Igel als Indiz für eine Bestandsveränderung. Nachdem die Häufigkeit (…) der Igel von Mitte der 1970er bis Anfang 1990er Jahre trotz stärkerer Schwankungen ohne Trend auf hohem Niveau geblieben war, setzte ab Mitte der 1990er Jahre ein starker Rückgang ein, der sich in den letzten Jahren offenbar auf niedrigem Niveau von einem Fünftel der früheren Häufigkeit stabilisiert hat.“ REICHHOLF 2015

WICHTIG:

Der Bestandsrückgang unserer heimischen Igel ist kein Phänomen einer bestimmten Region oder Strecke, sondern überall in Bayern zu vermuten.

Aus diesem Grund ist es zwingend notwendig weitere  Daten zu sammeln, um die Bestandsentwicklung der Igel im Auge zu behalten. Kurzzeituntersuchungen von wenigen Jahren reichen nicht aus, um den Bestand der Igel richtig zu deuten. „Kurzfristige Bestandstrends“ und „aktuelle Bestandssituationen“ setzen laut Landesanstalt für Umweltschutz (LfU) einen Daten-Bezugszeitraum von 15 bis 25 Jahre voraus.

Bitte machen Sie deshalb weiterhin mit. Entweder als Berufspendler oder als zufälliger Melder. Jeder Igel zählt! Dankeschön.

Liebe Grüße

Martina Gehret