2025: 10 Jahre Igel in Bayern

Balkendriagramm mit Anzahl der Igelmeldungen für einzelne Jahre 2015-2024

Eine Dekade des Meldeprojekts zum besseren Verständnis der Ökologie in Bayern lebender Igel

Issel, Daniel (2025). 10 Jahre Igel in Bayern – Eine Dekade des Meldeprojekts zum besseren Verständnis der Ökologie in Bayern lebender Igel. Dissertation, IZW Berlin.

Diese Studie untersucht anhand der Langzeit-Daten von 10 Jahren (fast 100.000 Meldungen von lebenden oder toten Igeln) wie der Igel in der Kulturlandschaft des Menschen zurechtkommt. Besonders auf städtischen Grünflächen und in privaten Gärten ist der Igel als Kulturfolger unterwegs. Leider führt genau das auch zu vielen Todesopfern im Straßenverkehr. Besonders häufig werden Igel während der Paarungszeit im frühen Sommer und im Herbst gemeldet, wenn viele Jungigel unterwegs sind. Auffällig ist auch, dass Futterstellen eine größere Anzahl Igel als gewöhnlich in die Gärten locken. Das führt zu der wichtigen Erkenntnis, dass es nicht sinnvoll ist mehrere Igel regelmäßig und das ganze Jahr über zu füttern, denn der Einzelgänger Igel teilt weder gerne Futter noch Unterschlupf und verteidigt diese vehement gegen Artgenossen. Daher können Futterstellen im Garten Stress für die Tiere bedeuten.

Details zur Auswertung nach 10 Jahren Melde-Projekt

Daniel Issel, Student am Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung in Berlin hat unter der Anleitung von Frau Dr. Professor Anne Berger im Rahmen seiner Masterarbeit die Meldungen von Igelsichtungen im LBV-Projekt Igel-in-Bayern ausgewertet. Die wichtigsten Ergebnisse sind wie folgt:

Seit 2015 wurden über 100.000 lebende und tote Igel im Freistaat gemeldet. Vor allem in städtischen Grünanlagen und privaten Gärten sind Igel häufig unterwegs. Unsere Daten bestätigen, dass sie dort oft Opfer des Straßenverkehrs oder Mähroboters werden. Auffällig ist auch, dass Futterstellen mehr Igel als gewöhnlich in die Gärten locken. „Mehrere Igel regelmäßig oder sogar ganzjährig zu füttern, ist nicht sinnvoll. Igel sind Einzelgänger, die weder Futter noch Unterschlupf gerne teilen und diese manchmal vehement gegen Artgenossen verteidigen.

Zehn Jahre „Igel in Bayern“ zeigen, dass der Igel ein beliebter Bewohner in Bayerns Gärten ist. Das bestätigt die große Anzahl von Meldungen mit rund 91.400 lebenden und 36.600 toten Igeln im Siedlungsbereich, die den LBV im Rahmen des Projektes erreicht haben. Da das stachelige Säugetier nachaktiv ist, werden ab der Abenddämmerung bis spät in die Nacht die meisten lebenden Igel beobachtet. Im Jahresverlauf gehen die meisten Meldungen im Herbst ein, wenn viele Jungigel für den bevorstehenden Winterschlaf auf Futtersuche sind.

Straßenverkehr als häufigste Todesursache

Gut ein Drittel aller Meldungen sind Totfunde. Denn im Siedlungsraum lauern viele Gefahren für den kleinen Stachelritter. Am häufigsten fällt der Igel dem Verkehr zum Opfer, denn Straßen und versiegelte Flächen zerschneiden seinen Lebensraum. Besonders während der Paarungszeit ab Mai legen Igel große Distanzen zurück. Sie durchstreifen ein Gebiet von bis zu 15 Hektar und müssen dabei oft Straßen überqueren. Deshalb appelliert der LBV an Autofahrerinnen und Autofahrer – gerade in der Abend- und Morgendämmerung sowie nachts – besonders vorsichtig und vorausschauend zu fahren.

Mähroboter: Unterschätzte Gefahr im Garten

Eine weitere Gefahr für den Igel fährt durch seinen Hauptlebensraum, den Garten. Der zunehmende Einsatz von Mährobotern – aber auch anderen elektrischen Gartengeräten wie Freischneidern – fügt den nachtaktiven Säugetieren oft schwere Verletzungen zu, an denen sie qualvoll verenden. Die Igel sind den Maschinen schutzlos ausgeliefert, weil sie bei Gefahr nicht davonlaufen, sondern sich zu einer Stachelkugel zusammenrollen. Da die Anzahl der Mähroboter in Bayerns Gärten über die letzten Jahre zugenommen hat, wird deren Einsatz jetzt auch speziell als Todesursache im Projekt abgefragt. Gemeinsam mit dem Verein deutscher Engineure (VDI) arbeitet der LBV in einem vom BfN geförderten Projekt „Mähroboter und Bewahrung der Artenvielfalt in Gärten“ an der Erstellung einer technischen Regel nach VDI 1000 bzw. VDI-EE 1100 für biodiversitätsschonende Mähroboter (Algorythmen, Sensorik, Kameratechnik, Ultraschall, Infrarot, Abschaltautomatik etc.) für die Zielgruppe Unternehmen.

Doch um den Igel zu schützen, braucht es noch mehr. Ein flächendeckendes Nachtfahrverbot für Mähroboter, wie es immer mehr Gemeinden in Deutschland einführen, wäre hier ein erster wichtiger Schritt. Der LBV appelliert an Gartenbesitzer und Gartenbesitzerinnen, Mähroboter nur tagsüber unter Aufsicht einzusetzen und vor einer Reise vollständig abzuschalten damit die Geräte auf keinen Fall unbeaufsichtigt laufen.

Futterstellen für Igel: Gut gemeint, oft gefährlich

Die Daten der Meldeaktion zeigen auch, dass meist einzelne Igel gesichtet werden – ganz typisch für ihre natürliche Lebensweise als Einzelgänger, die nur zur Paarungszeit Artgenossen aufsuchen. In Gärten gehen Igel auf Nahrungssuche nach Käfern, Nachtfaltern und deren Larven, die leider immer schwieriger zu finden sind. Falsch verstandene Tierliebe kann Igeln hierbei mehr schaden als nützen: Wird regelmäßig Futter angeboten, lockt dies Igel aus einem großen Umkreis an. Die Auswertung der daten zeigt, dass im Schnitt aus Gärten mit Futterstellen dreieinhalb Mal mehr Igel gemeldet werden als in solchen ohne. Der Rekord lag bei 22 Tieren auf einmal.

Die Folgen können gravierend sein: Der enge Kontakt vieler Igel kann dazu führen, dass Krankheiten leicht übertragen werden. Auch erhöht sich das Stress- und Konfliktpotenzial. Falsches Futter und mangelnde Hygiene an Futterstellen können für den Igel schlimmstenfalls sogar tödlich sein. Der Igel ist ein Wildtier. Eine Zufütterung soll nur in Notsituationen erfolgen, zum Beispiel wenn die Tiere schwach oder kurz vor und nach der Winterschlafzeit untergewichtig sind. Am meisten hilft dem Igel ein naturnaher Garten mit ausreichend Insektennahrung und sicheren Verstecken.