Vogelschutzzeit oder Grauzone?

Artikel-Nürnberger Stadtanzeiger

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„Bahn zerstört Igel-Quartier“ hieß es am 21. Oktober im Nürnberger Stadtanzeiger. Viele empörte Proteststimmen erreichten mich an diesem Tag.

„Ein Kampf gegen Windmühlen?“

„Was soll man da noch tun?“

„Verkehrssicherheit ist wichtig, aber muss man deswegen wegschauen?“

Wir schauen nicht weg- wir fragen nach!

Ein erster Anruf beim Umweltschutzamt der Stadt Nürnberg brachte folgende Erkenntnis:

Es habe keine konkrete Abstimmung mit der Unteren Naturschutzbehörde gegeben. Laut Klaus Köppel, Leiter des Umweltamtes, sei dies rein rechtlich gesehen auch nicht notwendig. Pflegemaßnahmen zur Verkehrssicherung sollten außerhalb der Vogelschutzzeit stattfinden. Dies ist aber nicht immer möglich.

Es stellt sich die Frage, ob denn tatsächlich die Verkehrssicherheit beeinträchtigt war? Wenn ja, was ist mit § 44 Bundesnaturschutzgesetz? Wieso werden die Arbeiter nicht auf solche Situationen vorbereitet? Eine Anwohnerin hat die Bahnmitarbeiter während der Arbeiten zur Rede gestellt. Daraufhin hieß es von Seiten der Mitarbeiter: „Wir machen nur unseren Job!“

Claudia Beyer, Redaktion Nürnberger Nachrichten, hat versucht, mit der Bahn Kontakt aufzunehmen. Die Deutsche Bahn hat sich hierzu zurückhaltend geäußert, möchte den Fall aber nochmals prüfen.

Die Arbeiten fanden laut Aussage einer Anwohnerin am 25.September statt. Die gesetzlich geregelte Vogelschutzzeit gilt vom 1.März bis 30. September.

Hier noch einmal für alle zum Nachlesen die Auszüge aus dem Bundesnaturschutzgesetz:

§ 39
Allgemeiner Schutz wild lebender Tiere und Pflanzen; Ermächtigung zum Erlass von Rechtsverordnungen

(1) Es ist verboten,

1. wild lebende Tiere mutwillig zu beunruhigen oder ohne vernünftigen Grund zu fangen, zu verletzen oder zu töten,
2. wild lebende Pflanzen ohne vernünftigen Grund von ihrem Standort zu entnehmen oder zu nutzen oder ihre Bestände niederzuschlagen oder auf sonstige Weise zu verwüsten,
3. Lebensstätten wild lebender Tiere und Pflanzen ohne vernünftigen Grund zu beeinträchtigen oder zu zerstören.

………..

(5) Es ist verboten,

………..

3. Bäume, die außerhalb des Waldes, von Kurzumtriebsplantagen oder gärtnerisch genutzten Grundflächen stehen, Hecken, lebende Zäune, Gebüsche und andere Gehölze in der Zeit vom 1. März bis zum 30. September abzuschneiden oder auf den Stock zu setzen; zulässig sind schonende Form- und Pflegeschnitte zur Beseitigung des Zuwachses der Pflanzen oder zur Gesunderhaltung von Bäumen,

…….

Die Verbote des Satzes 1 Nummer 1 bis 3 gelten nicht für

1. behördlich angeordnete Maßnahmen,
2. Maßnahmen, die im öffentlichen Interesse nicht auf andere Weise oder zu anderer Zeit durchgeführt werden können, wenn sie
a) behördlich durchgeführt werden,
b) behördlich zugelassen sind oder
c) der Gewährleistung der Verkehrssicherheit dienen,

Der Igel gilt laut Bundesnaturschutzgesetzt als besonders geschützte Tierart. Deshalb für Sie zur Erinnerung:

§ 44
Vorschriften für besonders geschützte und bestimmte andere Tier- und Pflanzenarten

(1) Es ist verboten,

1. wild lebenden Tieren der besonders geschützten Arten nachzustellen, sie zu fangen, zu verletzen oder zu töten oder ihre Entwicklungsformen aus der Natur zu entnehmen, zu beschädigen oder zu zerstören,
2. wild lebende Tiere der streng geschützten Arten und der europäischen Vogelarten während der Fortpflanzungs-, Aufzucht-, Mauser-, Überwinterungs- und Wanderungszeiten erheblich zu stören; eine erhebliche Störung liegt vor, wenn sich durch die Störung der Erhaltungszustand der lokalen Population einer Art verschlechtert,
3. Fortpflanzungs- oder Ruhestätten der wild lebenden Tiere der besonders geschützten Arten aus der Natur zu entnehmen, zu beschädigen oder zu zerstören,
4. wild lebende Pflanzen der besonders geschützten Arten oder ihre Entwicklungsformen aus der Natur zu entnehmen, sie oder ihre Standorte zu beschädigen oder zu zerstören