Mähroboter im Naturgarten

Liebe Igelfreunde,

die Hauptarbeit in einem gepflegten Garten ist das Rasenmähen. Je nach Grundstücksgröße kann das wöchentlich schon mal ein bis mehrere Stunden in Anspruch nehmen. Ein paar Schafe stellen für die meisten Menschen keine Alternative dar. Für mich und meine Grundstücksgröße übrigens auch nicht. Da ist die Anschaffung eines Mähroboters doch die Lösung.

Mähroboter@Gehret

Mähroboter@Gehret

Die einzige Vorarbeit, die man leisten muss, sind Begrenzungen im Garten zu installieren, damit er die Richtung wechseln kann. Klasse! Und noch dazu wird der Garten automatisch durch das klein gehäckselte Gras gedüngt. Eigentlich nur Vorteile, wenn man mal vom Anschaffungspreis absieht. Da gehen die Spannen ja sehr weit auseinander. Aber ist ein Mähroboter eigentlich auch mit einem Naturgarten kompatibel?

Nehmen wir einmal meinen Garten als Beispiel. Ich habe drei fussballverückte Jungs, einen Hund, viele besetze Vogelnistkästen, mehrere Trockenmauern, Staudenbeete, heimische Sträucher mit allerlei Getier, einen kleinen Gartenteich und zwei Igel im Garten wohnen. Ein Marder sowie ein paar Nachbarskatzen besuchen uns auch gerne mal. Unsere Wiese muss zum Fußballspielen leider geschnitten sein, ansonsten krieg ich Ärger :-). Dafür herrscht abseits der Rasenflächen eine kleine blühende Wildnis. Mir gefällt’s und jeder fühlt sich wohl.

Wenn ich mir jetzt die Bedienungsanleitung eines Rasenroboters durchlese wird eines deutlich. Zu uns passt er nicht!

Die hoch gepriesenen, unendlichen Vorteile eines Mähroboters kann man eigentlich nur nutzen, wenn man seinen Garten praktisch nicht betritt. Laut Gebrauchsanweisung darf der Rasenroboter nur arbeiten, wenn sich keine Personen insbesondere Kinder und Haustiere auf der Rasenfläche befinden. Natürlich dürfen auch keine Stöckchen, Steine, Spielzeuge oder ähnliches auf der Grünfläche liegen. Klar, dass dann Roboterfans ihre nahezu lautlosen Maschinen nachts arbeiten lassen. Fährt der Rasenmäher dennoch ein Hindernis an, stoppt er automatisch und ändert seine Richtung. So sieht die Theorie aus.

Ich habe mir das nun zusammen mit meinem Hund, als „Igelersatz“, bei meinem Nachbarn angeschaut.

Muck und der Mähroboter@Gehret

Muck und der Mähroboter@Gehret

Unserem Hund „Muck“ war der Roboter „schnurz“ und er ignorierte ihn. Diese Situation änderte sich allerdings schnell, als Muck`s Schwanz fast gehäckselt wurde. Denn der hätte einwandfrei unter den Roboter gepasst, genauso wie seine Pfoten. Gestoppt hätte das Gerät, bei einem höheren und starren Hindernis. Dieses Wissen hilft allerdings keinem Insekt, Igel oder in der Sonne entspannendem Haustier. Auch die im Garten liegenden Stöckchen und kleinen Bälle wurden problemlos zermurkst. Aber genau davor hat der Hersteller ja auch gewarnt.

Tiere und Rasenroboter@Gehret

Tiere und Rasenroboter@Gehret

Wo sind denn jetzt die Vorteile für unsere Tierwelt? Richtig! Keine da. Igel sind nachtaktiv und keine Fluchttiere. Bei Gefahr rollen sie sich ein oder verharren zunächst an Ort und Stelle. Der Roboter wird einen größeren eingerollten Igel, wenn er viel Glück hat, wohl nicht verletzen. Kleine Igelkinder wird der selbstständige Rasenmäher sicher nicht als Hindernis erkennen, ganz zu schweigen von Kröten, Heuschrecken oder Spinnen. Was heißt das jetzt?

Unsere bayerischen privaten Gärten haben zusammen eine Fläche von 135.000 ha. Das ist eine riesige, nicht versiegelte Fläche mitten in unseren Städten und Dörfern, Lebensraum für viele Pflanzen sowie der wichtigste Rückzugsort unserer wildlebenden Siedlungstiere und Kulturfolger. Jetzt stellen Sie sich vor, welche gewaltige Fläche verloren gehen würde, wenn dieses Stück Natur, mitten unter uns, unkrautfrei gehalten und von Robotern gepflegt wird. Fluginsekten werden schon durch den großflächigen Gifteinsatz in unserer Agrarlandschaft immer weniger, krabbelnde Garteninsekten jetzt auch durch den Rasenroboter? Fazit: Ein Rasenroboter hat in einem Garten voller Leben nichts zu suchen.