Zehn Tipps, wie Sie den Igel vor Gefahren schützen

Autos und Rasenmäher können Igel verletzen und sogar töten. Aber wussten Sie, dass auch Ihr Müllsack vor der Haustüre, Ihre Kellertreppe und Ihr Gartenzaun den Tieren zu schaffen machen? Wir zeigen Ihnen typische Gefahrensituationen, die Igeln täglich begegnen – und wie Sie sie ganz einfach entschärfen können.

 1. Tipp: Schaffen Sie Schlupflöcher im Zaun!

Auf der Suche nach Unterschlupf, Futter und Partner legen Igel weite Strecken zurück. Lassen Sie sie auch in Ihren Garten kommen! In einem grobmaschigen Drahtzaun können Igel steckenbleiben und sich verletzen. Biegen Sie den Zaun einfach unten etwas nach oben. Ein Lattenzaun wird igelfreundlich, wenn Sie eine rund zehn mal zehn Zentimeter große Öffnung hineinsägen. Mauern sind für die Tiere unpassierbar. Statt einen Tunnel unter ihnen durchzubuddeln, können Sie auch das Gartentor für Igel passierbar machen. Wenn Sie einen Zaun neu setzen, lassen Sie ihn erst zehn Zentimeter über dem Boden beginnen. Igel würden übrigens Hecken und Stauden bevorzugen.

Igel laufen weite Strecken. Wichtig ist, dass sie Zäune passieren können. © BR/Tanja Begovic/Henrik Ullmann

 

 2. Tipp: Nehmen Sie’s mit der Gartenarbeit nicht so genau!

Igel schlafen gern in hohem Gras und unter Hecken. Beim Mähen werden sie dann übersehen und verletzt oder getötet. Unübersichtliche Stellen deshalb vorher kontrollieren. Auch mit Laubbläsern nur vorsichtig unter Büsche pusten und auf die Saugfunktion verzichten: Die Geräte vernichten Nistmaterial, Igelfutter – und Igelkinder. Igeln machen Sie die größte Freude, wenn Sie Ihren Rasen und Ihre Hecken nicht akkurat stutzen, auf exotische Pflanzen verzichten und angehäufte Blätter und Zweige einfach liegen lassen. Falls Sie noch Gründe gesucht haben, die Gartenarbeit etwas schleifen zu lassen …

Beim Rasenmähen können Igel verletzt werden. © BR/Tanja Begovic/Henrik Ullmann

 

 3. Tipp: Stechen Sie nur vorsichtig in Laub- und Komposthaufen!

In Laub- und Komposthaufen verstecken sich Igel gern, suchen nach Nahrung oder halten Winterschlaf. Beim Umsetzen oder Abtragen deshalb vorsichtig sein und nicht fest mit Gartenwerkzeugen hineinstechen. Lassen Sie die Haufen zwischen November und März einfach noch stehen. Versehentlich abgedeckte Igel im Winterschlaf oder ein Nest mit Jungen sollten Sie gleich wieder zudecken.

Beim Abtragen von Laub- und Komposthaufen vorsichtig sein. Igel verstecken sich gern darin und werden sonst verletzt. © BR/Tanja Begovic/Henrik Ullmann

 

 4. Tipp: Schichten Sie Feuer nicht zu früh auf!

Angezündete Laub-, Reisig- oder Holzhaufen und große Brauchtumsfeuer wie etwa zu Ostern und zur Sonnenwende sind heimtückische Igel-Fallen: Die Tiere vermuten in den Haufen eine sichere Unterkunft. Wird die plötzlich angezündet, rollen sie sich zusammen, statt hinauszulaufen. Verbrennen Sie deshalb keine Gartenabfälle. Stöße für Brauchtumsfeuer sollten erst kurz vor dem Anzünden aufgeschichtet werden. Ist das nicht möglich, sollten sie nach dem Errichten eingezäunt oder kurz vor dem Entzünden umgeschichtet werden.

In aufgehäuften Ästen und Blättern vermuten Igel eine sichere Unterkunft. Werden solche Haufen angezündet, verbrennen die Igel. © BR/Tanja Begovic/Henrik Ullmann

 

 5. Tipp: Verzichten Sie auf Chemie im Garten!

Für uns vermeintlich praktisch, für Igel mitunter tödlich: Schneckenkorn, Rattengift, Insekten- und Unkrautvernichter sowie Kunstdünger. Igel verlieren dadurch ihre Nahrungsgrundlage und können selbst krank davon werden. Verzichten Sie auf Chemie im Garten und steigen Sie auf biologische Alternativen um. Giftköder, Mäuse- und Rattenfallen sollten in mindestens 50 Zentimetern Höhe ausgelegt werden, auf Mauern oder Bretterstapeln zum Beispiel. Um auch Vögel und Eichhörnchen zu schützen, platziert man Giftköder am besten in engen Röhren. Hier haben wir noch weitere Tipps für einen igelfreundlichen Garten für Sie gesammelt.

Schneckenkorn, Rattengift, Insekten- und Unkrautvernichter können Igel krank machen. © BR/Tanja Begovic/Henrik Ullmann

 

 6. Tipp: Geben Sie Igeln Wasser zu trinken!

Igel benötigen täglich frisches Trinkwasser. Als Tränke eignet sich ein flaches Gefäß, das nicht umkippen kann – ein Blumentopf-Untersetzer zum Beispiel. Geben Sie ihnen aber keine Milch! Igel können Milchzucker (Laktose) nicht verdauen und schweren Durchfall bekommen.

Igel sind laktoseintolerant. Von Milch bekommen Sie schweren Durchfall. © BR/Tanja Begovic/Henrik Ullmann

 

 7. Tipp: Machen Sie Schächte igelsicher und Treppen igelfreundlich!

Fallen Igel in Keller- oder Lichtschächte, steile Gruben oder Gräben, kommen sie ohne Hilfe nicht mehr heraus und verhungern. Decken Sie solche Igelfallen mit engmaschigen Gittern oder Brettern ab oder stellen Sie eine Rampe hinein – ein einfaches Brett kann schon helfen. Außenliegende Kellertreppen können Igel leicht wieder hochsteigen, wenn Sie auf jede Stufe einen Ziegelstein legen, um die Stufenhöhe zu verringern. Solche Gefahrenstellen in Ihrem Garten sollten Sie regelmäßig kontrollieren.

Fallen Igeln in einen Schacht oder eine Kellertreppe hinab, kommen Sie ohne Hilfe nicht mehr nach oben und verhungern. © BR/Tanja Begovic/Henrik Ullmann

 

 8. Tipp: Helfen Sie Igeln, aus Teichen & Co. wieder herauszukommen!

Igel können zwar schwimmen – aber nicht besonders ausdauernd. Fallen sie in Gartenteiche, Swimmingpools oder Wasserbehälter mit senkrechten Ufern und können sie sich beim Herausklettern nirgendwo festkrallen, ertrinken sie. Rampen mit schmalen Querleisten und flach auslaufende Uferbereiche mit Steinen, Pflanzen oder Böschungsmatten können das verhindern. In die Erde eingelassene Regensammelbecken decken Sie am besten mit einem engmaschigen Drahtgeflecht ab.

Fallen Igel in Gartenteiche oder Swimmingpools und schaffen es nicht wieder, hinauszuklettern, ertrinken sie. © BR/Tanja Begovic/Henrik Ullmann

 

 9. Tipp: Müllsäcke immer zubinden und erst am Abholtag erhöht rausstellen!

Igel sind neugierig – mit der Betonung auf gierig: Alles, was gut riecht und Nahrung verspricht, muss inspiziert werden. In weggeworfenen Dosen und Joghurtbechern suchen sie nach Resten. Beim Rauskriechen werden ihre Stacheln allerdings zu Widerhaken. Die Igel können sich verletzen, steckenbleiben und ersticken oder verhungern. Auch in Schnüren, Netzen, Plastikfolien und den Plastiktrageringen von Getränkedosen können sie sich verfangen und sogar erdrosseln. In Müllsäcken suchen sie nicht nur nach Leckereien, sondern auch nach Unterschlupf. Wenn die Müllabfuhr anrückt, werden sie mitabtransportiert. Müll deswegen nicht offen draußen rumliegen lassen, sondern in die dafür vorgesehenen Behältnisse werfen. Müllsäcke immer zubinden und erst am tatsächlichen Abholtag draußen ablegen – wenn’s geht in mehr als 50 Zentimetern Höhe.

In Müllsäcken suchen Igel Nahrung und Unterschlupf. Oft werden sie dann von der Müllabfuhr mit abtransportiert. © BR/Tanja Begovic/Henrik Ullmann

 

 10. Tipp: Nehmen Sie den Igel zwischen die Reifen!

Igel sind nachtaktiv und legen dann weite Strecken zurück, kreuz und quer durch die Stadt und unbedarft über Straßen. Fahren Sie deshalb ab der Abend- bis zur Morgendämmerung besonders aufmerksam und vorausschauend, vor allem in begrünten Siedlungsbereichen. Dass Sie Geschwindigkeitsbegrenzungen beachten und ausreichend Abstand halten, davon gehen wir aus. Rollt sich ein Igel vor Ihrem Auto ein: Vorsichtig bremsen, ohne die nachfolgenden Autos zu gefährden, nicht das Lenkrad verreißen und den Igel möglichst zwischen die Reifen nehmen. Die meisten Autos haben ausreichend Bodenfreiheit.

Viele Igel werden von Autos überfahren. Statt wegzulaufen, igeln sich die Tiere ein. © BR/Tanja Begovic/Henrik Ullmann

 

 Die Tipps zum Download
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