Das Igeljahr im Überblick

Wenn der Igelmann Ende März aufwacht, will er fressen. Denn vor der Paarungszeit im Mai muss er erst zu Kräften kommen. Die Igeljungen sollten vor dem Winterschlaf auf eigenen Füßen stehen. Denn nur wer entsprechenden Futterspeck hat, überlebt.

 Igel-Erwachen im Frühjahr | März – April
Wenn der Igel im Frühling erwacht und kaum Insekten findet, darf zugefüttert werden.
Igel am Futternapf © Julian Stratenschulte/dpa

Wenn Igel im Frühling erwachen, müssen sie häufig aufgepäppelt werden. © Julian Stratenschulte/dpa

Wenn die Außentemperaturen länger um zehn Grad Celsius liegen, wachen Igel aus dem Winterschlaf auf. Die Männchen übrigens ein paar Wochen früher als die Weibchen. Der Aufwachvorgang dauert mehrere Stunden, bei dem der Igel enorm viel Energie verbraucht. Dabei hilft ihm speziell das sogenannte „braune Fett“, das im Schulterbereich eingelagert ist. Beim Erwachen ist die Durchblutung bis zu fünffach erhöht und die Herz- und Atemfrequenz sind stark beschleunigt. Die Muskeln, insbesondere die Beine, zittern stark.

Der Igel verliert während des Winterschlafs durchschnittlich dreißig Prozent seines Körpergewichts. Darum beginnt der abgemagerte Igel sofort mit der Nahrungssuche. Das erste Mal bemerken Sie ihn vielleicht, wenn er sich an einem lauen Aprilabend an den Teller schleicht, den Sie eigentlich für Ihre Katze auf die Garten-Terrasse gestellt haben. Das Stachelkleid des Igels schlottert an den Seiten seines Körpers. Sie dürfen dem abgemagerten Gesellen daher ruhig geeignetes Futter (Katzenfutter vermengt mit Igeltrockenfutter, Weizenkleie oder Haferflocken) hinstellen, gibt es doch im Frühjahr noch nicht so viele Insekten, Würmer und Schnecken, dass er damit seinen Riesenhunger stillen könnte.

Das Igeljahr - Frühlingserwachen © BR/Tanja Begovic, Henrik Ullmann

Das Igeljahr – Frühlingserwachen
Nach dem langen Winterschlaf haben die Igel enorm viel Gewicht verloren. Die früher erwachenden Männchen suchen nach dem erst knapp vorhandenen Futter. Sie benötigen Reserven für die anstehende Paarungszeit. © BR/Tanja Begovic, Henrik Ullmann

 Paarungszeit | April – August
Die Paarung ist kurz und heftig. Der werdende Vater macht sich gleich aus dem Staub.

Igel sind Einzelgänger. Doch während der Paarungszeit von Mitte April bis Ende August gehen Igelmännchen auf Partnersuche und legen dabei bis zu fünf Kilometer pro Nacht zurück. Der Paarungstrieb lässt die Männchen oft unvorsichtig werden, vor allem beim Überqueren von Straßen. Hat der Igelmann ein Weibchen gefunden, umwirbt er es heftig. Dabei schnaubt und schnauft, pufft und tuckert er deutlich vernehmbar.

Die Igelin wird immer wieder vom Männchen umkreist. Doch häufig genug stößt sie ihn mit ihren Kopfstacheln zurück. Dieses Paarungsspiel, das auch „Igelkarussell“ genannt wird, kann Stunden dauern und muss auch nicht zwangsläufig zum sofortigen Erfolg führen.

Ist das Männchen endlich am Ziel seiner (Paarungs-)Träume angelangt und ist die Igelin trächtig, geht das Igelpaar wieder getrennte Wege. Für die Aufzucht des Nachwuchses ist das Weibchen zuständig. Eine Igelfamilie im herkömmlichen Sinne gibt es nicht, Igelmütter sind alleinerziehend.

Das Igeljahr - die Paarungszeit © BR/Tanja Begovic, Henrik Ullmann

Das Igeljahr – die Paarungszeit
Igelmännchen durchstreifen kilometerweite Gebiete, um ein Weibchen zu finden. Treffen sie auf eins, lässt sich dieses lange bitten, verteilt sogar Kopfstöße. Nach einem stundenlangen Ritual, bei dem das Männchen das Weibchen umkreist, und der anschließenden Paarung gehen die Partner wieder getrennte Wege. © BR/Tanja Begovic, Henrik Ullmann

 Nachwuchs bei den Igeln | Juni – September
Igelbabys haben bereits bei der Geburt Stacheln – allerdings weiche und weiße.

Die meisten Igelkinder kommen im August auf die Welt, manche noch im September. Nach einer Tragzeit von rund 35 Tagen wirft die Igelin zwei bis sieben Jungtiere. Die neugeborenen Igel tragen bereits erste weiß gefärbte Stacheln. Augen und Ohren öffnen sich im Alter von zwei Wochen.

Gartenbesitzer und Spaziergänger werden die Kleinen frühestens mit drei Wochen sehen, wenn sie im Dunkeln mit der Mutter die ersten Ausflüge unternehmen. Nur in besonders warmen Gegenden, wie zum Beispiel entlang des Rheins, beobachtet man manchmal schon Anfang Juli, ja sogar im Juni Igelbabys. Einen zweiten Wurf kann man hier nicht völlig ausschließen. Im Allgemeinen bekommen Igel aber nur einmal pro Jahr Nachwuchs. Im September finden die Jungigel noch reichlich Futter; sie können pro Nacht ohne weiteres zehn Gramm zunehmen. Gegen Ende dieses Monats verlassen die Igelkinder ihre Mutter und wandern auf der Suche nach Nahrung in andere Gebiete.

Das Igeljahr - Geburt der Igeljungen © BR/Tanja Begovic, Henrik Ullmann

Das Igeljahr – Geburt der Igeljungen
In Bayern kommen die meisten Igelbabys im August auf die Welt. Nach rund 35 Tagen wirft die Igelin bis zu sieben Jungtiere, die bereits weiß gefärbte Stacheln tragen, aber erst im Alter von zwei Wochen sehen und hören können. © BR/Tanja Begovic, Henrik Ullmann

 Nahrungssuche bei Jungigeln | Juli – November
Igel probieren zunächst alles, aber nicht alles bekommt ihnen – wie Obst und Gemüse.
Jungigel drängen sich am Futternapf © picture-alliance/dpa

Mit sechs Wochen werden die Igel selbstständig und müssen sich ihr Futter selbst suchen. © picture-alliance/dpa

Mit sechs Wochen erkunden die Jungigel selbstständig ihre nähere Umgebung und machen sich alleine auf Futtersuche. Die Kleinen kauen auf allem herum, was ihnen vor die Nase kommt, und entdecken auf diese Weise, was genießbar ist. Etwa ab Mitte Oktober nimmt das Angebot an Käfern und Larven schon deutlich ab. Nun können sich die Jungen pro Nacht nur noch wenige Gramm anfuttern.

Das Igeljahr - Nahrungssuche bei Jungigeln© BR/Tanja Begovic, Henrik Ullmann

Das Igeljahr – Nahrungssuche bei Jungigeln
Mit sechs Wochen machen sich die Jungtiere selbstständig auf Futtersuche. Diese verläuft nach dem „Versuch und Irrtum“-Prinzip: Alles wird probiert, was ihnen vor die Nase kommt. Auf diese Weise lernen Igel, was genießbar ist.© BR/Tanja Begovic, Henrik Ullmann

 Winterspeck ansetzen | September – November
Vor dem Winterschlaf müssen Igel sich reichlich Fettpolster zulegen, um zu überleben.

Die mehrjährigen Igel hingegen, vor allem die Männchen, haben schon an wettergeschützten Stellen ihre laubgepolsterten Winternester gebaut. Die Igelin, geschwächt durch die Aufzucht der Kleinen, wird sich vielleicht wieder übers Katzenfutter hermachen. Der ein oder andere Jungigel findet sich ebenfalls dort ein. Auch im November stöbern die Jungigel oft noch nach Essbarem, allerdings mit geringem Erfolg. Ihr Instinkt sagt ihnen, dass sie nur mit einem guten Fettpolster den Winter überleben. Das schützende Nest bauen sie spät und manchmal recht unordentlich – mit ein Grund, warum viele Jungigel in der kalten Jahreszeit sterben.

Das Igeljahr - Winterspeck anfressen © BR/Tanja Begovic, Henrik Ullmann

Das Igeljahr – Winterspeck anfressen
Das Mindestgewicht eines Igeligels liegt bei 500 Gramm, das sie vor ihrem Winterschlaf auf die Waage bringen sollten. Igelmännchen ziehen sich Ende Oktober zum Überwintern zurück und machen den Weibchen und Jungtieren das Futter nicht mehr streitig. © BR/Tanja Begovic, Henrik Ullmann

 Nest bauen | Oktober – Dezember
Eine Notwendigkeit, die Jungigel vor dem kalten Winter erst noch lernen müssen.

Wettergeschützt und laubgepolstert bauen die Igel ihre gut isolierenden Winternester. Jungigel fangen manchmal zu spät damit an und arbeiten unordentlich – mit ein Grund, weshalb sie den kalten Winter nicht überleben. Igel lieben Hecken, Sträucher, Laub- und Holzhaufen. An sein Zuhause stellt der Igel wenig Ansprüche: Genügend Futter und Verstecke, sogenannte Tagesnester unter Sträuchern oder in Laubhaufen, sind ihm wichtig. Weil er die oft auf freier Flur nicht mehr findet, sucht er sich Behausungen in Gärten und Parks, Friedhöfen und Grünanlagen.

Das Igeljahr - Nest bauen © BR/Tanja Begovic, Henrik Ullmann

Das Igeljahr – Nest bauen
Wettergeschützt und laubgepolstert bauen die Igel ihre gut isolierenden Winternester. Jungigel fangen manchmal zu spät damit an und arbeiten schludrig – mit ein Grund, weshalb sie den kalten Winter nicht überleben. © BR/Tanja Begovic, Henrik Ullmann

 Winterschlaf | November – März
Igel halten Winterschlaf. Dabei sind ihre Körperfunktionen auf ein Minimum reduziert.
In einem Garten liegt ein kleiner Igel zum Schutz zusammengerollt in einen Blätterhaufen. © Patrick Pleul/dpa

Der stachlige Geselle hat nicht mehr viel Zeit, sich ein passendes Winterquartier zu suchen. © Patrick Pleul/dpa

Nun, da die Jungigel selbstständig sind, können sich die Weibchen um ihren eigenen Winterspeck kümmern. Die Männchen gehen bei normalen Witterungsverhältnissen bereits Anfang November in den Winterschlaf. So machen sie den Igelinnen und den Jungtieren das knapper werdende Futter nicht mehr streitig. Um den Nahrungsmangel in der kalten Jahreszeit zu überbrücken, rollen sich ein paar Wochen später auch alle anderen Igel zu einer Kugel zusammen und beginnen ihren Winterschlaf. Ihre Körperfunktionen sind während dieser Zeit auf ein Minimum reduziert. So sinkt die Körpertemperatur von 36 Grad auf etwa fünf Grad Celsius, die Herzfrequenz von 180 bis 250 Schlägen pro Minute auf acht bis zwanzig und die Atemfrequenz von vierzig bis fünfzig Atemzügen auf drei bis vier. Der Igel wacht zwischendurch manchmal auf, bleibt dann aber meist in seinem schützenden Nest. Ende März wachen als erstes die Männchen, im April dann die Weibchen wieder auf, um sich hungrig auf Futtersuche zu begeben.

Das Igeljahr - Winterschlaf © BR/Tanja Begovic, Henrik Ullmann

Das Igeljahr – Winterschlaf
Um dem Nahrungsmangel des Winters zu entgehen, rollen sich Igel in ihrem Nest zu einer Kugel zusammen. Während des Winterschlafs sind ihre Körperfunktionen wie Temperatur, Herzschlag und Atemfrequenz auf ein Minimum reduziert. © BR/Tanja Begovic, Henrik Ullmann

 Die Tipps zum Download
Hier gibt's das Merkblatt „Das Igeljahr“ noch einmal gesammelt als PDF zum Herunterladen, Speichern und Ausdrucken.

Quelle: http://igelzentrum.ch/